Lass dir nicht einreden, dass Menschen sich nicht ändern können – wir können!

Worum gehts hier?

Immer wenn ich „Menschen ändern sich nicht“ höre oder in dem Verhalten dieser Menschen entdecke, macht mich das traurig. Das Gegenüber offenbart sich nämlich auf subtile, ehrliche Weise. Da ist also jemand vollkommen davon überzeugt, dass Veränderung beim Menschen (also auch bei sich selbst), nicht möglich ist. Für mich ist das ein bisschen damit vergleichbar, als würde sich ein großer Käfer freiwillig auf den Rücken drehen. Wenn ich dann die gleiche Aussage, eben einfach nur als Frage an die selbe Person zurückgebe: „Menschen ändern sich also nicht?“, folgen häufig (relativierende) Aussagen wie „naja zumindest nicht in grundlegenden Verhaltensweisen“ oder „das ist wissenschaftlich so bestätigt“. Die Aussage halte ich in jedem Fall für problematisch, da sie eben tatsächlich eine Veränderung nachhaltig verhindern kann. Eine selbsterfüllende Prophezeiung im Grunde. Aber, ich mein, was ist da los? Wenn das so wäre, wofür gibt’s dann Schulen überhaupt? Warum führt man „ernste Gespräche“ mit Mitarbeitern, wenn das „sowieso“ nicht möglich ist? Warum haben sich dann andere Menschen bereits erfolgreich geändert? Und die wohl wichtigste Frage in dem Zusammenhang ist: Hat Charles Darwin uns dann alle restlos angelogen? Dieser Artikel ist also ein Aufschrei von mir. Es ist ein: „Hallo Welt! Findet das niemand genauso demotivierend und ohnmächtig, wie ich das gerade empfinde?“ Warum halte ich also so eine kleine „Redewendung“ für problematisch und was kannst du tun, um dein Veränderungsvorhaben erfolgreich selbst zu gestalten?

Problematisch daran

Ein Beispiel aus meinem ganz persönlichen Leben für wirklich grundlegende Veränderungen, ist mein eigener Gewichtsverlust. Zunächst durch die Veränderung der Ernährungsweise und anschließend durch das konsequente Einbauen von Sport im Alltag. Ich habe über viele Jahre immer wieder gute, sehr wirkungsvolle Gründe gefunden, warum ich eben niemals wenig wiegen würde, oder „wenigstens“ gesund leben könnte. Um dir die Problematik zu verdeutlichen, würde ich gerne die Zeit um knapp 4 Jahre zurückdrehen:

Es war mittlerweile mein neununddrölfzigster Versuch abzunehmen. Keine besonders erfolgreiche Statistik, denn seit ich 2004 beschlossen hatte, niemals über 100 Kilogramm zu wiegen, hatte ich mittlerweile (nach zahllosen Diäten) im Jahr 2016 stattliche 138 kg erreicht. Ich würde behaupten ich bin dadurch äußerst kompetent im Thema „Scheitern“ geworden. Also, ganz im Sinne von Thomas A. Edison: „… ich habe 1000 Wege gefunden, die nicht funktionieren“. Schade! Ich hatte damals ein Netzwerk von Freunden und Familie, die mich im Scheitern begleitet haben, jedoch nicht beim Abnehmen. Da fielen dann Sätze wie: „… naja gegen sein Erbgut kann man nicht viel machen“ oder „… vielleicht findest du dich mit deinem Körper einfach ab“. Da entstand eine magische Anziehungskraft, die sagte: „Stimmt, ich bin zwar unglücklich, aber vielleicht sollte ich wirklich aufhören immer wieder gegen mein Körper anzukämpfen“. Und das tat ich dann auch.  Ich hörte daraufhin für knapp zwei Jahre auf, meinem tiefen Wunsch (den ich übrigens schon seit der Pubertät habe) zu folgen und arbeitete eher daran mich mit den Umständen abzufinden. Ich konnte quasi zusehen, wie Kleidung immer kleiner wurde und der Pizzabäcker nebenan immer reicher. Es fühlte sich leichter an so zu leben und den permanenten Widerstand aufzugeben. Und ich konnte mich viel besser auf meine übrigen Probleme konzentrieren.

Dann kam der Tag. Ich habe damals in Berlin-Friedrichshain gewohnt und ich bin auf die Waage gestiegen in der Hoffnung, das es nicht allzu gravierend wäre. Hundertachtunddreißig Kilogramm. Man könnte sagen, dass das GRAVIEREND für mich war. Ich habe direkt Schluss gemacht. Schluss mit dem ganzen Kram von „akzeptiere mich wie ich bin“ und habe Steffi aus meinem Freundeskreis angesprochen, die unfassbar erfolgreich darin ist, gesund und schlank zu leben und ohne dass es alles sehr entbehrungsreich bei ihr aussieht. Zudem war sie auch durch ihren Hintergrund in der Pflege äußerst kompetent. Wichtiger war aber: sie war kein „Menschen-ändern-sich-nicht“-Mensch, wie viele andere liebevolle Menschen in meinem Umfeld damals. Sie war vielmehr ein „Was-immer-du-erreichen-willst-wirst-du-schaffen“-Menschen. Und so jemanden brauchte ich jetzt. Jemand der mir Drive gibt.

Wir haben dann mit grundsätzlichen Dingen gemeinsam angefangen: z.B. Einkaufen gehen. Einfach oder? Gesundes Zeug kaufen, Schrott liegen lassen. Und auch gemeinsam kochen war notwendig, um neue Verhaltensweisen für mich zu lernen. Dann habe ich wiederum Menschen getroffen, die Sport liebten und über ihre Erfolge sprachen (man, was für Poser!). Sie alle sagten immer wieder, dass anders ernähren allein allerdings nicht ausreichen würde. Nur die Kombination mit Sport würde wirklich deutliche Veränderungen ermöglichen. Ja, sie hatten Recht, aber ich habe das alles als „gilt für andere aber gilt nicht für mich“ abgetan. Ich hasste jegliche Form des Sports, logischerweise weil er anstrengend sein würde. Ich hatte zu dieser Zeit eine ganz wunderbare Begleiterin als Coach, die vermeintlich sportfanatisch war. Sie schenkte mir zu Weihnachten 2016 ein Laufshirt (das mir auch noch, bei der Gelegenheit viel zu klein war). Dieses Shirt brodelte zwar in meinen Gedanken (Danke Conny!), lag dann aber immer noch 2 Jahre ungenutzt und vollkommen verhasst, ganz unten im Kleiderschrank.

Ich probierte viele Ernährungsweisen aus. Ich hatte sogar für 120 Euro Gewürze gekauft, um mich ayurvedisch auszuprobieren. Naja. Völlig egal. Ich experimentierte, nörgelte, hungerte, fraß, und kämpfte mich durch irgendwelche Internetforen. Irgendwann probierte ich einen Weg aus, bei dem dann die ersten 20 Kilogramm in kürzester Zeit purzelten. Das wurde dann später auch zu meiner neuen Ernährung. Als ich dann nur noch 110 kg wog, habe ich dann auch mit Laufen angefangen. Und ganz ehrlich: An manchen Tagen hasse ich es nach wie vor. Und manchmal ziehe ich es einfach nur durch weil ich es mir vorgenommen habe. Aber es ist bis heute fest in meinem Alltag verankert. Ich komme meinem Gewichts- und Körperziel immer näher und merke deshalb eine unfassbare Zufriedenheit, so tiefgreifende Dinge für mich verändern zu können.

Okay und was hat das jetzt mit „Menschen ändern sich nicht“ zu tun? Na ist doch klar: Menschen verändern sich doch. Sie stellen fest, dass sie unzufrieden sind und machen sich dann auf den Weg. Probieren rum, stolpern, richten sich die Krone neu und nehmen neuen Anlauf, bis eben der Knoten dauerhaft geplatzt ist und die gewünschten neuen Verhaltensweisen im Leben angekommen sind. Hätte ich mich nicht von dem (von mir zum Mythos erklärten) „Menschen ändern sich nicht“ nicht selbst lösen können, so hätte ich heute nicht diese tiefe Zufriedenheit erreicht und wäre wohl immer noch damit beschäftigt, mich mit meinen dann vermutlichen 270 Kilogramm abzufinden.

Das heißt also, das Hören, Nachplappern, Glauben dieser Aussage ist also deshalb problematisch, weil Erstens sie einfach nicht stimmt, da Veränderung und Wachstum schon immer zu unserer Natur gehörten (und natürlich erforderlich waren). Zweitens, weil sie Menschen dazu verleiten kann, sich nicht die richtige Umgebung für die Veränderung zu suchen oder zu schaffen und drittens weil sie verhindern kann, dass sich Menschen nicht konsequent hinter die Veränderung zum eigenen Wohl klemmen und dann bei den ersten Hürden aufgeben, statt weiterzumachen.

Über soziale Trägheit (oder wie ich sie nenne: „das Biest“)

Man bekommt Veränderungen nicht geschenkt. Es stimmt auch auf unbequeme Weise, dass es wissenschaftliche Beobachtungen und Forschungen dazu gibt, die bestätigen, dass wir Menschen Veränderungen gar nicht so gerne haben. Die Wissenschaftler nennen es „soziale Trägheit“. Und es hat seine Relevanz und ist (wenn ich mir anschaue wie wir im Alltag angesichts der gegenwärtigen Krise miteinander umgehen) auch immer noch sehr aktuell. Kurzgesagt: Es ist wissenschaftlich ergründet, dass das Verhalten bei Veränderungen tatsächlich träge ist. Falls du magst kannst dazu auf Wikipedia eine kurze Zusammenfassung aus der Psychologie und Soziologie nachlesen.

Aber jetzt mal ernsthaft: TRÄGE bedeutet doch nicht unveränderlich, oder? Im Duden habe ich folgende Synonyme für „träge“ gefunden: behäbig, energielos, gemächlich und kraftlos. Aber selbst dort findet sich kein Hinweis darauf, dass träge ebenso „unmöglich“ bedeutet. Nimm also das, Mythos! Veränderung ist also möglich. Ganz im Sinne eines großen japanischen Autoherstellers.

Bei allem Optimismus (und natürlich Siegesgefühlen über die menschliche Trägheit), bleibt Veränderung ein grundsätzlich schwieriger Prozess. Man muss für (teils winzig erscheinende) Veränderungen hart arbeiten und man kann sie in einem Unternehmen auch nicht einfach so befehlen oder nur bedingt anweisen. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung, dass dieser Prozess nur funktioniert wenn man selber wichtige Rahmenbedingungen dafür schaffst. Immer mit der Absicht, dass mir dann die Veränderung leicht(er) fällt. Deshalb wirst du auch immer wieder in diese Trägheit durch gezielte Verhaltensweisen eingreifen müssen. Mit der Hand immer mitten rein ins Getriebe! Für mich bedeutete das zum Beispiel, mir die Laufschuhe direkt an Bett zu stellen, so dass ich sie am Lauftag selber als erstes sehen konnte. Damit entfiel eine wichtige Ausrede, da ich nun nicht mehr behaupten könnte, ich hätte es vergessen. Letztlich geht es darum, diese Gründe oder Hürden (scheibchenweise) auszuschalten, bis dann keine mehr übrig sind. Oder zumindest solche, die ein Vorhaben scheitern lassen.

Wie soziale Veränderung klappt

Wenn also jemand in Zukunft zu dir sagt: „Menschen ändern sich nicht“, dann höre freundlich zu und betrachte als das was letztlich ja auch ist: eine Meinung eines anderen Menschen (die du nicht übernehmen musst). Lass dich nicht davon limitieren. Sondern versuch dich dadurch bestärken zu lassen, dass andere nicht den selben Mut für ein solches Vorhaben aufbringen. Dich ein bisschen überlegen zu fühlen, ist auch nicht verkehrt. Was bleibt auch nach Meinung dieser Menschen noch als Optionen offen? Ist das nicht ein trostloser Gedanke? Ich mein, ist es nicht total passiv? Bleibt dann, am Ende, nicht einfach nur noch Aufgeben als logische Schlussfolgerung übrig?

Soweit so gut. Bleibt also noch das Problem, wie nun also Veränderung klappt. Ohne jetzt zu tief in die Wissenschaft einzutauchen: Es gibt beim „sozialen Lernen“ eine konkrete Vorstellung darüber, wie Veränderung funktionieren kann. Klingt alles logisch, ist aber hart. Also, wer etwas verändern will, muss etwas anders tun. Und dafür gibt es immer immer immer Optionen. Eine Veränderung ist nämlich kein diffuser Mythos, sondern etwas das du planen, strukturieren, umsetzen und schließlich abschließen kannst. Folgende Tipps könnten dir bei deiner Veränderung vielleicht helfen:

  • Reduziere den Kontakt zu den Menschen, die glauben dass Veränderung nicht möglich ist
  • Baue dir ein Umfeld auf, das dich in deinem Wunsch bekräftigt, unterstützt und dir Wege aufzeigt (und dir Feed-Back gibt!)
  • Bei Rückschlägen suche nach der Ursache in der Planung, aber nicht in deiner Person oder deinen Fähigkeiten
  • Es gibt immer Rückschläge!
  • Lerne die Gründe dafür kennen, warum dir diese neuen Verhaltensweisen nicht gelingen
  • Am Anfang kann es hilfreich sein, den „inneren Schweinhund“ zu manipulieren (z.B. Laufschuhe ans Bett stellen)
  • bleibe deinem Wunsch zur Veränderung treu, beinahe stoisch
  • Sei klug und achte darauf, dass dein Ziel zu deinen wirtschaftlichen Möglichkeiten passt
  • Übe, solange bis du mit dem Ergebnis zufrieden bist
  • Gib nicht auf, bevor du am Ziel bist!
  • Finde vor allem in der Veränderung dein eigenes Tempo
  • Plane die Veränderung so clever, dass sie für DICH funktioniert
  • Im Zweifel: hole dir Unterstützung in dein Team für Extrapower

Ich habe eine Checkliste für Veränderungsvorhaben gestaltet, die du dir hier kostenfrei herunterladen kannst. Sie hilft dir unter anderem dabei, deine Absicht zu planen, schrittweise umzusetzen und bis zum Ziel am Ball zu bleiben.

Zusammenfassung

Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass jeder Mensch sich ändern kann und in der Lage ist, sich allen Umständen und Situationen anzupassen. Veränderung beginnt dabei im Kopf und benötigt außerdem ein Umfeld, dass positiv und akzeptierend auf deine Versuche mit den neuen Verhaltensweisen eingeht und dich wirklich unterstützt. Wenn du dieses Netzwerk noch nicht hast, kannst du heute damit anfangen es zu gestalten. Du bist selbst verantwortlich dafür, dass sich dein Handeln wirklich ändert. Du bist keinem mysteriösen Mythos ausgeliefert, der dein Schicksal unabänderlich in Stein gemeißelt hat und nun diese Steintafel auch noch mit scharfen Waffen verteidigt. Und ja, Coaching kann dir dabei helfen besser geplant an die Veränderung heranzugehen, schneller und nachhaltiger dein Ziel zu erreichen und mit Widerständen, die dir auf dem Weg dahin begegnen, besser umzugehen.