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Das haben Sie jetzt davon! Über den Wert einer guten Inthronisation

Stellen Sie sich doch einmal folgendes Szenario vor: An Ihrem ersten Arbeitstag bittet Ihr Vorgesetzter Sie, sich im großen Meetingraum einzufinden. Sie öffnen vorsichtig die Tür und sehen einen Raum bis zum Rand mit Menschen gefüllt, voll mit Pomp und Glorie. Alle Teammitglieder sitzen in Reihen nach vorn ausgerichtet. Als sie die Tür hören drehen sich einige Neugierige um und schauen Sie ehrfürchtig an. Ihr Vorgesetzter steht vorn auf einer kleinen Bühne und erwartet Sie. Im Hintergrund spielt heroische Musik während Sie auf den großen Sessel mit hoher Rückenlehne zusteuern. Während Sie Platz nehmen ertönt Applaus und ein Chor singt im Hintergrund auf. Nachdem Sie auf Ihrem Thron nun Platz genommen haben, spricht Ihr Vorgesetzter eine Lobrede auf Ihren bisherigen Lebenslauf und beeindruckt lauschen alle im Raum diesen Worten.

Das ist wohl eine recht klassische Vorstellung einer Krönung aus den Zeiten der Tudors und den Geschlechtern davor. Kommen Sie nun einmal mit mir zurück in die Realität und Gegenwart. Was hier so ausgeschmückt beschrieben ist, wird so in Ihrer neuen Rolle als Vorgesetzter nicht passieren. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die häufigsten Fehler bei Antritt als (neue) Führungskraft zu kennen und entsprechend vorbereitet zu sein.

Nicht “zurücknehmbar”

Haben Sie sich das mit der Führungsrolle wirklich gut überlegt? Wovon lassen Sie sich gerade in diesen entscheidenden Moment leiten? Es kann sehr verlockend sein, wenn Sie von Ihrem Vorgesetzten endlich die lang ersehnte Beförderung angeboten bekommen haben. Oder eine neue Stelle bei einem anderen Arbeitgeber wird durch die neue Führungsrolle extra attraktiv. Die Chance ist nun greifbar und Sie treffen vermutlich eine Entscheidung, welche lebenslang Auswirkungen hat. Üblicherweise denkt man in so einer gebotenen Gelegenheit nicht sehr lange darüber nach, sondern ergreift die Möglichkeit zum Wachstum. Na klar, es gibt (hoffentlich) mehr Geld, die Stelle sieht phänomenal in Ihrem Lebenslauf aus und irgendwann wird Ihnen das weitere Türen öffnen. Vielleicht möchten Sie aber auch die Person, welche Ihnen das Angebot gerade unterbreitet, nicht vor den Kopf stoßen? Jetzt zählt es!

In solchen Situationen wäre ich gerne anwesend und wünschte, jemand würde (vergleichbar wie bei einer Hochzeit) fragen ob jemand Einwände gegen diesen Schritt hat bevor er oder sie dann für immer schweigt. Ich würde vermutlich mein Wort erheben. Zumindest, um ein paar angebrachte Fragen zu stellen.

Häufig entscheiden sich Menschen nicht überlegt genug für eine Führungsrolle. Sie gehen unreflektiert, mit der rosa Brille auf der Nase, den Vorzügen fast blind entgegen. Da sind Gedanken im Kopf. Darüber was man sich dann alles leisten könnte, was ermöglicht würde, was das eigene Umfeld an Anerkennung und beeindruckender Lobesworte findet. Am häufigsten erlebe ich Menschen, die unbewusst auf ungesunde Weise angetrieben werden. Doch wer stellt Ihnen die Fragen, die eine Fehlentscheidung und ein ungesundes, zu schnelles Wachstum gut vorbereitet abwägt? Wer hält Sie davon ab, mit einer Beförderung Ihrer langfristigen Karriere einen Schlag zu verpassen?

Denken Sie einen kurzen Augenblick darüber nach, was Auswirkungen Ihrer neuen Rolle sein werden. Wie gut sind Sie vorbereitet? Welche Fähigkeiten werden Sie in der neuen Rolle benötigen? Was müssen Sie in Ihrem Kompetenzpaket als erstes anpacken, damit es ein Erfolg wird? Seien Sie neugierig! Wer ist vielleicht der externe Antreiber? Versucht da gerade Ihr Vorgesetzter auf “Brechen und Biegen” eine kritische Position zu schließen, oder ist die Person der Meinung, dass Sie wirklich bereit sind? Haben Sie dann Ihre Entscheidung getroffen, so ist diese nicht mehr “zurücknehmbar”. Auch dann nicht, wenn Sie merken, dass Sie überfordert sind. Wenn Sie merken, dass Sie sich selbst noch mal ein Jahr mehr in der Mitarbeiter-Rolle hätten gönnen sollen. Wenn Sie merken, dass sich die Umstände doch anders darstellen, als Ihnen Ihr Vorgesetzter es ausgemalt hat. Bleiben Sie realistisch und gehen Sie gut mit Ihren eigenen Stärken um. Sie treffen eine Entscheidung, die nur durch eine Kündigung zurückgenommen werden kann. In der Regel Ihrer eigenen.

Treffen Sie eine Entscheidung nicht von “jetzt auf gleich” oder von “heute auf morgen”. Erbitten Sie sich (im Zweifel bei sich selbst) etwas mehr Bedenkzeit. Wenn Sie ein bis zwei Tage zu einer soliden Reflexion nutzen, verhindert das eine aus dem ersten Impuls heraus entstandene Entscheidung. Haben Sie sich entschieden, diesen Schritt nicht aus dem ersten Impuls heraus zu gehen, fängt die Arbeit an. Schreiben Sie sich Dinge auf, die Ihnen in den Kopf gekommen sind.

Beförderung aus dem Team oder von Außen

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Teamleadern, die innerhalb des eigenen Teams zum Leader wurden und denen, die “von außen” als neuer Vorgesetzter in das Team kamen. Da ist zum einen der Vorteil für extern Hinzugekommene, dass es keine Historie gibt. In so einem Fall haben Sie eine reale Chance, auf einem “weißen Blatt Papier” zu starten. Mehr noch. Sie können entscheiden, was auf diesem weißen Blatt Papier einmal über Sie stehen soll. Eine echt Chance die Führungsperson zu sein, die Sie immer sein wollten. Anders ist es (natürlich!) wenn Sie innerhalb Ihres eigenen Teams wachsen. Die Personen kennen Sie besser, denken schon “etwas” über Sie. Alle haben ein gutes Verständnis über Ihr Stärken-Schwächen-Profil. Es kann also je nach Ausgangslage leichter sein, in einem neuen Unternehmen als Führungskraft zu arbeiten als in dem Team weiterzumachen, dass in heiklen Situationen auf Ihre Fehler-Historie als “normales” Teammitglied zurückgreifen kann. Wachstum innerhalb eines Teams erfordert eine engere Begleitung durch Vorgesetzte und sollte immer in Verbindung mit einem besonderen “Leader-Onboarding” stattfinden. Ach ja, “Augen zu und durch” wird höchstwahrscheinlich nicht von dem Erfolg gekrönt sein, den Sie sich so sehr wünschen. Wird eigentlich die Stelle/Position ersetzt, die Sie nach Ihrer Beförderung zurücklassen oder werden Sie zu einer Führungskraft mit “hohem operativen Anteil”?

Der Preis der Beförderung

Beförderungen bereichern nicht nur im großartigen Ausmaß Ihr (Arbeits-) Leben, sondern Sie verlieren auch etwas. Führungskraft zu sein, heißt auch etwas dafür zu bezahlen. Ein paar Dinge haben Sie schon im Voraus bezahlt (z.B. harte Arbeit), doch das “dicke Ende” kommt erst mit der Beförderung. Haben Sie nun einen Vorgesetzten und sind selber vorgesetzt, so nennt man das “mittleres Management”.

Sie befinden sich nun immer zwischen den Stühlen des operativen und des strategischen Geschäfts. Ihre bisherigen Tätigkeiten haben Sie besonders gut gemacht, besonders gerne gemacht und die konsequente Wertschätzung für Ihre Leistung hat Sie motiviert, auf die Beförderung hinzuarbeiten. Was, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass Sie auf all das verzichten müssen? Mehr noch. Sie werden mit viel Unbekanntem konfrontiert und müssen das meiste davon neu lernen und üben.

Neben den rationalen Themen bleiben da auch emotionale und soziale Auswirkungen. Allem voran werden Sie häufig Vorhaben und Strategien zu vertreten haben, mit denen Sie nicht immer einverstanden sind oder deren Gründe Sie nicht immer nachvollziehen können. Und das alles auch noch gegenüber der Menschen, mit denen Sie vielleicht in den letzten Jahren häufig intensive Momente auf freundschaftlicher Basis durchschritten haben.

Inthronisation, Kaltstart und schleichende Beförderung

Es geht nicht immer glatt. Beispielsweise, wenn Sie innerhalb des eigenen Teams wachsen. Ich bezeichne es als “Kaltstart” wenn Leader ins kalte Wasser geworfen werden. Oder sich diese Leader selbst in kalte Wasser stürzen. Es gibt keine ausreichende Auseinandersetzung im Vorfeld mit den neuen Aufgaben, Vorgesetzten und Teammitgliedern. Ich mag die Hoffnung dahinter, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Meistens komme ich dann jedoch mit meinen Coachees in den Treffen an den Punkt, dass Sätze unvermittelt mit “Hätte ich mal …” beginnen. Ich habe viele “Hättemals” gehört und selbst erlebt. Eine ordentliche Inthronisation hingegen, gibt zum einen Ihnen selbst die Möglichkeit ordentlich mit der Rolle als Teammitglied abzuschließen und mental auf die neue Aufgabe einzustellen. Sie werden in dem Team der anderen Leader aufgenommen und bekommen neue, klare Kompetenzen zugewiesen und dürfen Dinge anders als vorher gestalten und entwickeln. Im eigenen Team werden Sie nicht automatisch als Leader betrachtet werden, selbst bei einer guten Inthronisation. Das bleibt dann auch weiterhin harte Arbeit.

In den meisten Unternehmen findet etwas statt, dass ich gerne als “schleichende Beförderung” bezeichne. Sie arbeiten, tun das Richtige, kennen die richtigen Menschen, verzichten auf Dinge die Ihnen wichtig sind. Dann haben Sie den Änderungs- oder Arbeitsvertrag vorliegen. Häufig wird während der Verhandlungsphase aus verständlichen Gründen Stillschweigen vereinbart. Ist dann alles “in Sack und Tüten”, so sind Sie formaljuristisch Manager oder Leader (je nachdem wie Sie arbeiten). Glückwunsch!

Wie kommen Sie nun aus dem Stillschweigen heraus? In gut strukturierten Unternehmen gibt es immerhin (zumindest für bestimmte Hierarchiestufen) sachlich-strukturierte Announcements, welche das (globale) Team darüber in Kenntnis setzt, dass der formaljuristische Akt abgeschlossen ist. Das ist eine typische Dienstleistung der Personalabteilung. Damit ist die Beförderung abgeschlossen.

Ist Sie das?

Zusammenfassung

Die Entscheidung, eine Beförderung anzunehmen will gut durchdacht und begleitet sein, denn Sie kann in der Regel nicht zurückgenommen werden. Bei Beförderungen innerhalb eines Teams sind im Vorfeld wichtige Aufgaben zu tun. Im besten Falle sind Sie sich bewusst darüber, was diese Beförderung und das Arbeiten im so genannten mittleren Management mit sich bringt. Haben Sie das für sich klar, gehen Sie in die Gespräche mit den Personen, die Sie befördern/ einstellen wollen und gestalten Sie eine klare Inthronisation bzw. ein Leadership Onboarding, dass Ihre ganz einzigartigen Bedürfnisse berücksichtigt. Das bedeutet auch, dass Ihre Führung Sie im besten Falle 3-6 Monate intensiv begleitet. Sprechen Sie viel über Spielregeln, Aufgaben, Grenzen, Möglichkeiten und Räume für Ihre eigene Individualität.

Hilfe als Download

Ich habe in einer Checkliste Fragen zusammengetragen, welche Ihnen bei den Vorüberlegungen zur Beförderungen helfen soll. Ziel dabei ist es nicht, Ihnen die Beförderung abzusprechen oder Ihnen Angst zu machen. Vielmehr sollen Sie dadurch sich selbst besser kennen- und einschätzen lernen. Und sollen Sie die bevorstehende, in jedem Fall lebensverändernde Entscheidung in vollem Bewusstsein und mit Zuversicht treffen können.

Hier können Sie die Checkliste (als PDF) herunterladen

Und falls Ihnen diese Liste allein nicht hilft, kann ich Ihnen gerne zu neuer Klarheit, smarten Strategien verhelfen und Sie bei der Umsetzung begleiten. Ich bin immer nur einen Anruf oder eine E-Mail von Ihnen entfernt.

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